KORIANDER
Umzug

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24.5.05 18:26


Manager-Zwickmühle
Wie sie es machen, machen sie es falsch:

Wenn die Leiter großer Unternehmen Ihr Unternehmen umstrukturieren (=Arbeitsplätze abbauen), während es dem Unternehmen gut geht, ist das falsch, weil sie ihrer sozialen Verantwortung nicht gerecht werden (siehe Deutsche Bank).

Wenn die Leiter großer Unternehmen ihr Unternehmen nicht rechtzeitig umstrukturieren, sondern alles so lassen, wie es ist, ist das falsch, weil sie pleite gehen und dann noch mehr Arbeitsplätze verschwinden (z.B. Karstadt).

Ziemlich zwicky, diese Mühle, oder?
9.5.05 15:59


Vatertag, Altern und Östereichische Emanzipation
Wer einem (Groß-)Vater im Alter von 85 und einem Vater-in-spe im Alter von einem Jahr nacheinander beim Gehen zusieht, kann feststellen, dass die Fortbewegungsweise am Anfang des Lebens und gegen Ende eines Lebens ziemlich ähnlich ist.

Mann steht breitbeinig mit wachen Augen in der Welt, der 85-jährige stützt sich auf einen Stock, der Einjährige auf ein Bobby-Car. Dann setzt mann entweder das rechte oder das linke Bein einen kleinen Schritt vor. Mit deutlicher Pause zwischen den Schritten! Nur nicht hasten.

Matthäus 18, 3:
    "... Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen...."
Ok, meint Varzil, der Einjährige kommt gerade von dort, der 85-Jährige ist auf dem Weg dorthin. Sieht so aus, als ob im Himmelreich aus dem morgendlichen Joggen nichts wird.

Warum Christi Himmelfahrt eigentlich Vatertag heißt? Die Wikipedia weiß natürlich wieder mehr:
    "Schon im Mittelalter fanden Umzüge statt, um Gott, den Vater zu ehren. Denn Himmelfahrt gilt als Heimkehr von Jesus zu seinem Vater. Aus der Tradition der "Apostelgänge" sind dann die "Herrenpartien" entstanden.
    Der Tag ist in vor allem in Norddeutschland gekennzeichnet durch die so genannte Herrenpartie, die auf heidnische Flurbegehungen zurückgeführt wird. Auf Kremserwagen (Kutschen), mit Bollerwagen, mit Fahrädern oder auch traktorgezogenen Anhängern ziehen die "Herren" (der Schöpfung) hinaus ins Grüne und kehren mehr oder weniger alkoholisiert am Abend nach Hause zurück - oder aber erst am nächsten Morgen. ..."

Soweit so schön: die Ossis nennen den Tag auch "Herren-" oder vielleicht auch schichtenspezifisch exakter "Männertag".

Bei einem Blick in großdeutsche Gefilde (Österreich) lernt man, dass dort der Vatertag analog zum Muttertag mit Blumen und Geschenken am 2. Sonntag im Juni stattfindet - (jedenfalls meint das die Wikipedia). In Österreich ist die Gleichberechtigung offenbar fortgeschritten, der kleine Unterschied zwischen Vater und Mutter reduziert sich dort auf eine Differenz von 4 Wochen, die die Väter den Müttern hinterherhinken. (oder auf 48 Wochen, die die Väter den Müttern voraus sind ...) .

Varzil empfindet den Verzicht auf den kleinen Unterschied als einen Kulturverlust.
6.5.05 14:17


Zwang
Gestern bei einer Feier zum 85. Geburtstag eines bekannten Malers.

Albert Fürst:


Der Künstler meint, er stehe unter einem Zwang, und zwar dem Zwang zur absoluten Freiheit.

Varzil kennt schlimmere Zwänge.
6.5.05 09:41


Original und Verfälschung
Ist ein Klassiker der Oper oder des Theaters eigentlich noch ein Original, wenn Wilhem Tell z.B. als Palästinenser daher käme? Oder wenn Aida zur Zeit der französischen Revolution spielt?

Noch anders: Kauft man an der Opernkasse einen Opernabend mit Musik (hoffentlich Don Giovanni) oder kauft man eine möglichst buchstäbliche Umsetzung der Don-Giovanni-Partitur?

Varzil hält das für die falsche Fragestellung. Es ist eigentlich egal: solange die Geschichte auf der Bühne gut (=verständlich) erzählt und die Musik ordentlich (=ohne allzu viele Fehler und Streichungen) aufgewird, ist es ein gelungener Abend. Bach kann man schließlich auch einmal in der Fassung z.B. von Harnoncourt oder aber auch in der Fassung von Karajan hören.

Caveat emptor.
4.5.05 14:03


Kinderlosigkeit
Es mehren sich die Stimmen: heute Axel Rühe mit der These "German Angst macht unfruchtbar" in der Süddeutschen:
    "... Kinder sind die besten Aktien, die sich denken lassen. Sie haben jährliche Wachstumsraten von mindestens fünf Prozent und erzeugen geheimnisvollerweise bei ihren Besitzern ein nahezu unerschöpfliches Depot an Liebe. Wo das herkommt, ist eines der großen Rätsel des Elternseins.

    Leute, rechnet nicht, macht einfach. Rechnen macht arm. Machen macht glücklich. Nicht Deutschland. Einen selber."


Auch wenn der Aufsatz wahrscheinlich bald im Orkus des Bezahl-Inhalts der Süddetuschen verschwindet: ein schöner Artikel ... klingt nach einem glücklichen Vater. Willkommen im Club.

Varzil empfindet klammheimliche Freude bei der Lektüre der Gründe gegen Kinder ...:
    ".. Die schrecklichen CDs von Rolf Zuckowksi mit der debilen Blockflötenmusik. Eine zehn Tage alte Birne in der Handtasche. Auswahlgespräche in Kindergärten. Und manchmal geheimnist man in das Akademiker-Paar, das im Haus gegenüber in einer blitzblanken Küche ruhig beim Frühstück sitzt und die Zeitung liest, das totale Glück hinein...."
4.5.05 09:29


Kinderwunsch

Harald Schmidt in der Zeit:
    ... Ach, nehmen Sie doch nur mal die meisten der kinderlosen Frauen ab 35 in meiner Branche, dieses sexuelle Medienproletariat. Die haben mit Glück einen One-Night-Stand mit einem Beleuchter, sozusagen Last Minute in Sachen Kinderwunsch. Da rücken jetzt die 25-Jährigen nach, und es wird ganz bitter. ...

    Diese Generation ist einfach zu anspruchsvoll. Die lesen alle diese Glamour- und People-Zeitschriften und glauben auch noch, was da steht. Wo ist der Super-Fick, wo ist der Super-Job, wer sieht aus wie Brad Pitt?
    ...
Auch wenn's zynisch ist, wenn man will, kann man verstehen, was er sagt: Wer nach einer akademischen Ausbildung einen tollen Job und gleichzeitig nach Brad Pitt sucht, bleibt entweder kinderlos oder landet bei einem "Armleuchter".

Varzil war schon früher ob der Problematik kinderloser Frauen im (Politiker-)Beruf eher skeptisch.
3.5.05 15:48


Besuch aus Ami-Land
Man muss sie einfach lieben, die Bewohner der Vereinigten Staaten, vulgo die "Amis"! Sonst müsste man sich ja über sie ärgern, z.B. wegen antifranzösischer Ressentiments.

Der Joke von Samstag:
    Q:"How many men does it take to defend Paris?"

    A: "No idea, it never has been tried."
2.5.05 17:19


1. Mai
Besser kann ein Mai-Anfang ja gar nicht sein. Sonne, warm, fast schon heiß, alles blüht und ist grün. Einziger Makel: der erste Mai ist ein Sonntag.

Nächstes Jahr fällt der 1. Mai auf einen Montag. Da regnet es sicher wieder.

Müntefering wurde in diesem Jahr bei einer Gewerkschaftsveranstaltung mit Eiern "beregnet", trotz schönem Wetter und intensiver Kapitalismuskritik: beruhigend, wenn es Leute gibt, die die, die ihnen nach dem Maul reden, mit Eiern bewerfen. Vermutlich hatten die Eier-Werfer allerdings andere Motive.

Schade eigentlich.
2.5.05 12:01


100-jähriges
Die "Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen" (ZAB) besteht seit 100 Jahren, davon knapp die Hälfte der Zeit (seit 1956) unter dem Dach der KMK, als Abteilung im Sekretariat der KMK.

Ist das nun eine gute oder schlechte Tatsache?

Jubeln könnte man, wenn mit 100 Jahren Existenz etwas erreicht worden wäre. Fragt sich bloß, was erreicht sein könnte! Wonach will man bewerten, ob eine Verwaltungsdienstleistung einen effektiven Wert hat?

Testfall: Wir denken uns die ZAB einfach weg.
Natürlich kann man sich vorstellen, dass dann etliche Stellen, die die ZAB derzeit regelmäßig um Gutachten bitten, protestieren, weil sie dann selbst entscheiden (= denken) müssten. Ob das aber so schlimm ist?
27.4.05 15:12


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